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Das 1854 im Eigenverlag von F.A. Kronauge publizierte "Adressbuch der Deutschen in Paris" verzeichnet selbständige Deutsche, die in Paris und den angrenzenden Vororten ansässig waren. Alphabetisch geordnet findet man in diesen frühen "Gelben Seiten“ 4.772 Adressen, ganz überwiegend Handwerker - Tischler, Schreiner, Schneider, Goldschmiede und Drucker -, außerdem Unternehmer, Händler und Bankiers sowie freie Berufe wie Ärzte, Schriftsteller, Architekten, Künstler und Musiker. Auch 286 Frauen sind im Adressbuch verzeichnet, vor allem aus dem Bereich Handwerk und Handel (davon 103 in den Bereichen Mode, Kurzwaren, Weißzeug) sowie Adelige, Lehrerinnen und Hebammen.


    Titel: Adressbuch der Deutschen in Paris für das Jahr 1854
    Untertitel: Vollständiges Adressverzeichnis aller in Paris und seinen Vorstädten wohnenden selbständigen Deutschen in alphabetischer Ordnung. Nebst Angaben der Sehenswürdigkeiten und Wohnungen der Gesandten
    Herausgeber: F. A. Kronauge, Vorsteher des Polyglottischen Instituts
    Ort und Verlag: Paris, Selbstverlag des Verfassers, Druck vermutlich in Karlsruhe
    Jahr: 1854
    Preis: 5 Franken oder 1 Thaler 10 Groschen
    Seitenzahl: 252 (Paginierungsfehler: auf S. 144 folgt S. 161)
    Format: 8-o
    Anzahl der Adressen: 4772
    Aufbewahrungsorte: Bibliothèque historique de la Ville de Paris, Bibliothèque nationale de France (2. Auflage, Exemplar stark beschädigt), Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, British Library

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt: Zuerst wird eine kurze Übersicht über Sehenswürdigkeiten von Paris und Wohnungen der Gesandten gegeben. Danach sind die Adressen abgedruckt, geordnet nach Zugehörigkeit zu einem Geschäftsbereich, nach Namen und nach Straßen. Am Ende des Buchs folgt eine dreiseitige "Geschäftsliste für In- und Ausland" sowie vier Seiten "Geschäftsempfehlungen".

Im Adressbuch sind Name, teilweise Vorname (häufig abgekürzt), Beruf, Straße(n) und Hausnummer(n) einer Person bzw. eines Betriebs vermerkt. Fettgedruckte Namen weisen darauf hin, dass gleichzeitig eine Anzeige im Adressbuch geschaltet wurde. Ebenso ist vermerkt, wenn die Personen in der Ehrenlegion oder Mitglied des Institut de France waren oder zu den "Notable commerçant" gehörten (siehe dazu die Hinweise bei "Datenbank").

Mit der Zusammenstellung der Adressen beabsichtigte der Herausgeber F. A. Kronauge, "unseren Landsleuten usw. ein Mittel darzubieten, durch welches sie sich wieder finden und sich gegenseitig bekannt machen können" (1). Dies sollte gleichermaßen für Geschäftsleute in Paris und in Deutschland wie für Reisende gelten. Auch sollten Nachteile durch die Unkenntnis der französischen Sprache ausgeglichen werden.

Die Aufnahme in das Adressbuch war kostenlos, nur Anzeigen mussten bezahlt werden (2). Das Buch selbst kostete 5 Francs und wurde in Paris und in Leipzig vertrieben. Es war so erfolgreich, dass bald eine zweite Auflage erschien. Eine Jahreszahl ist in der zweiten Auflage nicht vermerkt, doch wird es vermutlich ebenfalls 1854 oder kurz darauf gewesen sein, denn bis hin zu einem Paginierungsfehler sind beide Ausgaben inhaltlich identisch. Lediglich die Anzahl der Werbeseiten hat sich erhöht.

Laut WorldCat sind vier Ausgaben des Adressbuchs in Bibliotheken zugänglich: in Paris in der Bibliothèque nationale de France und in der Bibliothèque historique de la ville de Paris, in der British Library in London sowie in Bonn in der Bibliothek der Friedrich Ebert Stiftung. Als Grundlage für diese Datenbank und die Scans diente das Exemplar der Bibliothèque historique de la ville de Paris (Signatur 703983).


    (1) Vorrede zur zweiten Auflage.
    (2) Insertionsgebühren für ein Jahr: die gespaltene Zeile 1 Franken; die viertel Seite 25 Franken; die halbe Seite 50 Franken; die ganze Seite 100 Franken.